Sportmedizinische Untersuchung
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Erst zum Arzt, dann auf den Asphalt!
Ursächlich für die plötzlichen Herztodfälle beim Sport sind in der Regel unerkannte angeborene oder erworbene Herzerkrankungen:
- Bei den Über-35jährigen Betroffenen liegen vielfach dem Läufer nicht bekannte Herzkranzgefäßverkalkungen zugrunde.
- Bei den Unter-35jährigen stehen zuvor nicht erkannte Herzwandveränderungen - sogenannte hypertrophe Kardiomyopathien - und angeborene Herzkranzgefäßanomalien im Hintergrund.
In vielen Fällen können diese Erkrankungen im Rahmen einer sportmedizinischen Untersuchung erkannt und behandelt werden.
In Italien gelang es zwischen 1979 und 2004 durch einheitliche sportmedizinische Untersuchungen der 12-35jährigen Sportler (u.a. mit einem 12Kanal-EKG), die Anzahl plötzlicher Herztodfälle um über 80% zu senken!
In Deutschland hat die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention Leitlinien für die sportmedizinische Untersuchung definiert (online unter www.dgsp.de einsehbar), die verbindliche Mindeststandards für eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung festlegen.
Das Ziel ist die Erkennung latenter oder bereits vorhandener Krankheiten, die eine gesundheitliche Gefährdung bei Aufnahme sportlicher Aktivität darstellen können. Die Vorsorgeuntersuchung nach DGSPstandard soll gesundheitliche Risiken mindern oder vermeiden helfen und eine optimale Ausübung von Sport und körperlicher Aktivität für jeden Sporttreibenden ermöglichen.
Die DGSP empfiehlt die Untersuchung für alle Neu- und Wiedereinsteiger im Bereich Freizeit- und Breitensport jeden Alters (vom Kind bis zu Senioren), ambitionierte Freizeitsportler wie auch Leistungssportler; für letztere gelten darüber hinaus die Inhalte der jeweiligen Kaderuntersuchungen.
Derzeit unterziehen sich in Deutschland weniger als 50% der Marathonläufer einer sportmedizinischen Untersuchung.
Die Kosten einer sportärztlichen Vorsorgeuntersuchung (ab 70,- Euro, je nach Umfang auch mehr) werden in der Regel nicht von der Krankenversicherung getragen sondern Ihnen privatärztlich von Ihrem Arzt als individuelle Gesundheitsleistung in Rechnung gestellt.
Ein sportmedizinische Untersuchung dient der Risikoreduktion. Sie bietet jedoch keine 100%ige Sicherheit. Die meisten – aber nicht alle - vorbestehenden Herzerkrankungen können erkannt werden.
(Das Risiko eines plötzlichen Herztodes beim Laufen lässt erheblich senken aber leider nicht ganz ausschalten: insbesondere Herkranzgefäßverengungen in Frühstadien und Herzmuskelentzündungen stellen eine Gefährdung dar sein und
können auch durch sehr gewissenhafte Untersuchung nicht erkennbar sein.)
Box: Checkliste: Sinnvolle Bestandteile einer sportmedizischen Vorsorgeuntersuchung nach Empfhelung der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP)
- Ausführliche gesundheitliche und sportliche Vorgeschichte des Sportlers und seiner Familie (Anamnese) gemäß DGSP-Fragebogen für Sportler
- Gründliche körperliche Untersuchung (u.a. Größe, Gewicht, Bauchumfang)
- Ruhe EKG mit 12-Kanalableitung, Blutdruck in Ruhe
- Bei Beschwerden, Risikofaktoren oder Lebensalter >40Jahre: BelastungsEKG mit begleitender Blutdruckmessung
- Bei Vorliegen von Risikofaktoren: dopplersonografische Untersuchung der Halsschlagadern (Carotisdopplersonografie)
- Bei Verdacht auf eine strukturelle Herzerkrankung: Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie mit Gewebedoppler)
- Bei Kurzatmigkeit, Asthma oder Rauchen: Lungenfunktionsuntersuchung (Spirometrie, Spiroergometrie)
- Bei Kurzatmigkeit: Röntgenuntersuchung der Lunge
- Blutuntersuchungen (Blutfette, Blutzucker, Blutbild, ggf. Schilddrüsenwerte, Anämioewerte, Entzündungswerte, etc.)
- Je nach Beschwerdebild und Befund können weitere bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, CT, MRT) sinnvoll sein
- Zusatzoption: zu leistungsdiagnostischen Zwecken kann die Belastungsuntersuchung (EKG) – sofern sie auf dem Laufband durchgeführt wird -mit einem Laktatprofil und einer Spiroergometrie kombiniert werden. Dann können aus den bestimmten Schwellen die individuellen Trainingszonen für die Trainingsplanung ermittelt werden.
(Hinweis: unter www.DGSP.de finden Sie eine Liste der von der DGSP empfohlenen sportärztlichen Untersuchungsstellen)

