Sehnen-beschwerden
Brooks Running Academy
Die häufigste Laufverletzung: Sehnenbeschwerden – über 50% der Läufer sind betroffen
Grundlage einer jeden Bewegung ist die Kraftübertragung des Muskels mittels einer Sehne auf den Knochen. Die Sehnen sind relativ stoffwechselarme Strukturen und passen sich daher wesentlich langsamer an eine regelmäßige Trainingsbelastung an als das gut durchblutete Muskelgewebe
Als Risikofaktoren für Sehnenbeschwerden gelten:
- wiederkehrende gleichförmige Belastungen bei zu hohen Trainingsumfängen
- unzureichende Regeneration (gewinnt bei Laufeinsteigern über 35Jahren zunehmend an Bedeutung)
- zunehmendes Alter, zunehmendes Körpergewicht, männliches Geschlecht
- Medikamenteneinnahme (Cortison, Antibiotika, Blutfettsenkende Medikamente, Anabolika)
- Fußfehlstellungen und Laufschuhtypen, die über Verstärkung der Pronation mit jedem Schritt einen Drehimpuls auf die Achillessehne geben
- Mechanische Reizung von außen durch den Laufschuh
- Achillessehnenbeschwerden in der eigenen Vorgeschichte oder bei Verwandten ersten Grades
Es verwundert nicht, dass Überlastungsreaktionen der Sehnen (Tendinopathien) an Ober- und Unterschenkel die am häufigsten beobachteten Laufverletzungen darstellen. Typische Sehnenansatzbeschwerden des Laufsportlers in abnehmender Häufigkeit sind:
- Achillessehnenbeschwerden („Achillodynie“, Tendinopathie der Achillessehne) betreffen etwa 50% der Läufer
- Vorderer Knieschmerz („Patellaspitzesyndrom“, Tendinopathie der Kniescheibensehne) betrifft etwa 40% der Läufer
- Fußsohlenschmerz, „Plantarfasziitis“ (Tendinopathie der fersenbeinnahen Sehnenplatte unter der Fußsohle) betrifft etwa 10% der Läufer
- Seitlicher äußerer Knieschmerz („Runners Knee“, Tendinopathie der äußeren Oberschenkelbinde) betreffen etwa 10% der Läufer
Lange begriff man diese druck- und belastungsschmerzhaften Verdickungen der Sehnen ausschließlich als überlastungsbedingte Entzündungsreaktion und behandelte sie mit cortisonhaltigen Injektionen.
Auf Grundlage aktueller Forschungsergebnisse hat sich heute ein differenziertes Verständnis durchgesetzt. Mikroskopische Untersuchungen haben gezeigt, dass man einen fortschreitenden Verschleiß der Sehne von einer akuten Entzündung der Sehnenhülle/Schleimbeutel abgrenzen kann. Ersteres kann insbesondere an der Achillessehne unbehandelt zum Riss der Sehne führen.
An betroffenen verdickten Sehnen verschiedener Körperregionen beobachtete man folgende Veränderungen unter dem Mikroskop:
- Veränderung der Kollagenfaserzusammensetzung mit Folge geringerer Rissfestigkeit
- Vermehrte Einsprossung von Blutgefässen und schmerzleitenden Nervenfasern
- Mikroskopisch kleine Teilrisse der Sehnen
- Fetteinlagerung, Kalkeinlagerung
- Entzündungsreaktion der Sehnenhülle und umgebenden Schleimbeutel
Der Sportmediziner gewinnt über eine Ultraschalluntersuchung einen guten Eindruck vom Zustand der Sehne, in Einzelfällen kann ein MRT (Kernspintomografie) hinzugezogen werden.
Auch wenn die einmalige Injektion von cortisonhaltigen Suspensionen vielfach 4-6Wochen Linderung verschafft erhöht sie das Risiko eines Sehnenrisses. In der modernen Sehnentherapie haben sich mittlerweile anderen Verfahren als sehr wirksam gezeigt:
- Exzentrisches Krafttraining (morgens und abends 3x15 Wiederholungen), dies sollte man unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten erlernen
- Radiale und fokussierte extrakorporale Stosswellentherapie (je nach Befund 3-6 Behandlungen in 7-14tägigen Abständen)
- Tägliche lokale Kälteanwendung
- Lokale Anwendung eines Nitratsprays (2xHübe morgens und abends)
- Verödung der Gefässneubildungen an der Sehne durch Alkoholinjektion unter Ultraschallkontrolle
- Optionen bei Druckproblemen im Laufschuh:
- Zurichtung der Fersenführung,
- Einlagenversorgung unter linsenförmiger Aussparung unter der Ferse.
- Selten: operative Versorgung
Der Läufer beeinflusst durch seine Geduld und seine konsequente Mitarbeit den Therapieerfolg entscheidend mit. Unter den aufgeführten Therapien bilden sich die Beschwerden bei der Mehrzahl der Patienten innerhalb von 3Monaten zurück. Je nach Befund kann – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – während der Therapie mit geringer Intensität weiter trainiert werden.
Kein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis liegt für die Anwendung von Fersenkissen, Salben und die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln vor.

